4. Januar 2017

Gedanken

Foto: Julia Gurol


Ich habe mir ehrlich gesagt schon lange nicht mehr meine alten Blogposts angeschaut und durchgelesen. Konnte mich sogar kaum noch erinnern, was ich damals geschrieben habe. Seit meinem ersten Eintrag. Ich wurde in der letzten Woche gefragt, warum ich das hier überhaupt mache? Meine Texte ins Netz stellen, für jeden öffentlich einsehbar. Und vor allen Dingen, warum, wenn ich es mit niemanden wirklich aktiv teile, kaum jemanden erzähle? Ja, warum eigentlich? Damals habe ich diesen Blog angefangen, um weiterhin schreiben zu können, nachdem ich nicht mehr für eine Lokalzeitung schreiben konnte. Meine Gedanken zu verschriftlichen, Eindrücke verarbeiten, Bilder und Videos teilen.


Aber warum nicht alles privat in einem Reisetagebuch. Warum auf einem Blog, in der Öffentlichkeit? Die ich ja irgendwie doch meide. Ich habe zu der Zeit, in der ich diesen Blog eröffnet habe, viele Blogs gelesen und war fasziniert von dieser Welt. Einen kleinen (wenn auch stark gefilterten) Einblick in das Leben und die Gedankenwelt anderer zu bekommen, die man gar nicht kennt, aber sich doch irgendwie manchmal in ihnen wiederfindet. Das mochte ich. Und mag es auch immer noch.  Doch warum teile ich meine Beiträge nicht wirklich aktiv? Warum lasse ich es im Netz stehen, finde es völlig in Ordnung, wenn es Fremde lesen? Aber sie Menschen zu zeigen, die ich kenne - davor schrecke ich zurück. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich Angst vor ihrer Reaktion. Dass sie das, was ich schreibe, vielleicht blöd oder schlecht finden. Dass sie die Idee, einen Blog zu haben, bescheuert finden und mich vielleicht verurteilen... Ich schreibe das und merke, dass ich eigentlich die Bescheuerte bin. Ich finde nicht, dass ich peinliche Dinge schreibe, zu viel von mir preisgebe, nicht mehr unterscheiden kann, was ich hier erzählen kann und was vielleicht lieber privat bleiben sollte. Warum sollten Menschen aus meinem engen Umfeld, denen ich wichtig bin, dann etwas verurteilen, was mir Freude bereitet. Was ein Ort ist an dem ich kreativ sein und meine Leidenschaften teilen kann.

In der letzten Woche habe ich ein paar Mal mit dem Gedanken gespielt, diesen Blog aus dem Netz zu nehmen, vielleicht Posts zu löschen, die mir nicht mehr gefallen. Aber ich habe mich dagegen entschieden. Es gibt keinen Blogpost, der nicht Ich ist. Klar ist keiner voll und ganz Ich, soweit würde ich nicht gehen. Mein ganzes Ich werde ich hier niemals preisgeben, aber zu jeder gewissen Zeit, an jedem gewissen Ort, waren das meine Gedanken und meine Erfahrungen. Und deshalb auch ein Teil von mir. Man verändert sich mit den Jahren, der Fokus verschiebt sich. Deshalb sehe ich vielleicht einige Dinge nicht mehr so wie früher, würde sie nicht mehr so erleben. Aber das macht meiner Meinung nach auch einen Blog aus. Dieser hier ist und bleibt mein Reisetagebuch. Und blättert man ein paar Seiten zurück, sieht und liest man mich, wie ich vor ein paar Jahren war. Und liest man vorsichtig und aufmerksam zwischen den Zeilen, erkennt man vielleicht, wie ich mich verändert habe, vielleicht auch ein bisschen, wie ich jetzt bin. Dieser Blog wird bleiben. Und wenn ich Zeit und Lust habe, etwas erlebt habe oder mir vielleicht sogar etwas auf dem Herzen liegt, werde ich darüber schreiben. Vielleicht werde ich es weiterhin niemanden zeigen, vielleicht werde ich es aber auch aktiver teilen. Diese Entscheidungen sind mir überlassen. Aber ab und zu kann, wer will, hier neue Geschichten entdecken, die sie oder er vielleicht sogar mag.

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